Das Ende ist nah…

Wenn man so die Wetterüberschriften in den Medien inhaliert könnte man meinen, wir spielen das letzte Lied des Orchesters auf der Titanic kurz vor dem Untergang. Mitten im „mildesten Winter aller Zeiten“ können wir uns aussuchen, ob wir von extremen Orkanen weggefegt werden oder ob wir durch die Dürre in Kürze vertrocknen werden. Vielleicht aber fahren wir vorher in den Graben – davor werden wir ja in Bildern ständig gewarnt mit Autos, die im Wasser sind, sich stapeln oder auf dem Kopf liegen mit blinkenden Warnsymbolen. Nicht zu vergessen: die Tier- und Pflanzenwelt spielt ja auch „verrückt“. Bald werden wir von umherwirbelnden Pollen erschlagen. Schließlich und unendlich erzählt mir jemand, dass er gehört hätte, das die Abweichung des Januars am Ende der Woche bei 6 Grad plus liegen solle…

 

Mag sein, dass ich irgendwas vergessen habe, aber unter uns: Das kann man alles getrost vergessen! Was ist denn los?

Fangen wir mal mit der 6 Grad-Abweichung bis Sonntag (19. Januar) an. Aktuell liegt die Abweichung bei 4,1 Grad; 13mal 4,1 = 53,3. 19mal 6 = 114. 114 minus 53,3 = 60,7, geteilt durch 6 = rund 10 Grad. Das heißt, es bräuchte von Dienstag bis Sonntag jeden Tag ein Tagesmittel von 10 Grad. Vom extrem milden Mittwoch mal abgesehen dürften wir das nicht ganz schaffen.

Gehen wir mal davon aus, dass wir mit dem 15. rund 4,3 Grad Abweichung haben und blicken wir mal in die wärmsten 2010er Januare zum jeweils 15.:
2011: 2,8 Grad

2012: 4,5 Grad

2014: 5,1 Grad

2015: 4,3 Grad

2018: 3,8 Grad.

Ich erspare mir hier jeden weiteren Kommentar.

 

Ist oder wird es der „wärmste Winter aller Zeiten“? Nein, natürlich nicht. Das kann er schon gar nicht mehr werden. In der Neuzeit war der mildeste Winter der Winter 2006/07: Er schlug mit 4,4 Grad zu Buche und liegt damit 4,2 Grad über dem noch geltenden Mittel der Jahre 1961-90.

Wenn wir mal hinter den „schwarzen Vorhang“ der kleinen Eiszeit gucken, kommen ganz andere Kaliber auf den Tisch. Es gab nicht nur Jahre, sondern Jahrzehnte, in denen es gar keine Winter gab und es war zu manchen Epochen „normal“, dass im Februar die Bäume grün wurden. Frost und Schnee fielen gänzlich aus.

Insofern sparen wir uns den Nonsens mit der verrückt spielenden Fauna und Flora.

 

Bliebe noch das Thema „Dürre“. Ist es ein Thema? Jain. In 1,8 Meter Tiefe herrscht in manchen Regionen noch „Dürre“. Das sind immer noch die Auswirkungen von 2018 – aber: Wir haben Mitte Januar und das Lechzen der Flora nach Wasser ist jetzt sehr, sehr gering. Und warten wir mal ab. Meines Erachtens bekommen wir noch genug Nässe und vor allem dann, wenn es die wenigsten haben wollen…

 

Lösen wir uns bitte mal von dem ganzen Irrsinn, der über das Wetter verzapft wird. Es ist Wetter. Es blühten um diese Jahreszeit schon die Bäume und es fielen um diese Jahreszeit schon die Vögel tot vom Himmel, weil sie durch die Kälte erfroren sind. Ordnen wir also Wetter und Witterung einfach einmal ein:

 

Wir haben derzeit eine sehr ausgeprägte Mildphase, deren Höhepunkt mit dem Mittwoch erreicht und überschritten sein wird. Ab dem Wochenende wird es deutlich kälter, aber noch nicht winterlich. Die atlantische Warmluftdüse wird abgeschaltet und ein Hoch übernimmt die Regie. In den vergangenen Tagen wurden immer mal wieder alle möglichen „Ideen“ berechnet was einen etwaigen Mini-Kaltlufteinbruch und die Lage des Hochs angeht. Es wird sogar etwas Schnee geben, vor allen in Alpennähe. Je nach Lage des Hochs kann sich sogar eine recht kalte Wetterlage einstellen; mehr im Süden, weniger im Norden. Vor allem im Mittelgebirgsraum und im Süden Deutschlands deutet sich, vor allem über Schneeflächen, und/oder mit Windstille Dauerfrost an. Die Nächte bringen auf alle Fälle Frost! Die großen Positiv-Abweichungen werden vor allem im Süden rasch abgebaut und damit wird, rein statistisch, ein neuer Winterrekord sehr schwer. Dazu bräuchte es einen extrem milden Februar.

 

Glaubt man dem amerikanischen Langfristmodell NOAA, so dürfte der Februar in eine ähnliche Kerbe schlagen wie der Januar. Auch das europäische ECMWF-Modell sieht gemittelt eine trockene und (sehr) milde Witterungslage im Februar auf uns zukommen. Das Azorenhoch sollte demnach mit seinem Keil über Spanien und Portugal bis in die Südhälfte Deutschlands und in den Alpenraum reichen. Im Schutze des Hochs könnte sich hier, zumindest zu Beginn des Monats, eine Inversionslage mit entsprechender Kälte einstellen. Im Norden wäre es immer wieder windig und entsprechend unwinterlich mild.

 

Persönlich habe ich da so meine Zweifel. Ich kann die Modelle „verstehen“. Sie berechnen das Muster weiter. Meines Erachtens steigen jedoch die Möglichkeiten einer interessanten Witterungsperiode ab der dritten Januar-Dekade, die viel winterlicher sein könnte oder wird als es die Langfristmodelle annehmen. In der von den Modellen erfassten Mittelfrist (gut zwei Wochen) erkennt man derzeit drei Cluster, also drei Möglichkeiten bzw. Wahrscheinlichkeiten:

Wahrscheinlichkeit eins sieht eine Fortsetzung bzw. eine Wiederholung der aktuellen Witterung vor. Hier würde es mit einer milden bis sehr milden und von West- bis Südwestwinden geprägte Wetterlage weitergehen. In Verbindung mit Sonnenschein und Wind würde das, angesichts der dann schon weiter fortgeschrittenen Jahreszeit zu einem fast schon frühlingshaften Flair kommen. Zweistellige Plusgrade und verstärkter Hasel- und Erlenpollenflug wären die Folge.

 

Wahrscheinlichkeit zwei zeigt eine Hochdrucklage mit viel Inversion. Je nach Lage des Hochkerns könnte dabei bodennah aus Osten kalte Luft einsickern. Je nach Vorgeschichte hieße das eine ruhige, dennoch aber kalte bis sehr kalte Witterungslage. Bei Nebel und/oder vorhandener Schneedecke (Berg- und Alpenvorland) hieße das Dauerfrost.

 

Wahrscheinlichkeit drei würde, um den Bogen zum Anfang wieder zu spannen, medial wieder neue Extreme hervorrufen mit Bildern, wo Autos in Gräben liegen, wo von „Russenpeitsche“ gesprochen werden würde – ungeachtet der Tatsache ob der Wind wirklich aus Osten käme – und es würden von Extrembedungen gesprochen werden. Hierbei handelt es sich um eine Nordlage, die feuchte Polarluft zu uns bringen würde. Die Folge wäre recht raues Winterwetter bis in die Niederungen mit Schnee und zumindest Nachtfrost, oberhalb von 200 bis 400 Meter Höhe gäbe es Dauerfrost.

 

Letztere Variante sehe ich als die wahrscheinlichste Möglichkeit, zumindest phasenweise, im Februar und März!

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