Kommt im Sommer wieder eine Dürre 3.0?

Kommt im Sommer wieder eine Dürre 3.0? Ist das eigentlich richtig formuliert oder müssen wir uns sogar gänzlich vom Thema Dürre verabschieden?

Es kursieren derzeit die abstrusesten Vorhersagen, Spekulationen oder Warnungen über „Kommt im Sommer wieder eine Dürre 3.0?“. Wir müssen uns erst einmal die Frage stellen: Wer oder was waren denn die Dürre 1.0 und 2.0? 1.0 ist klar – das war zweifelsohne das Jahr 2018. Mit knapp 75 Prozent dies üblichen Niederschlags gehört das Jahr 2018 zur Gilde der besonders trockenen Jahre (ähnlich trocken waren 1887, 1911, 1921, 1929, 1934, 1943, 1953, 1959 1971, 1976 und 2003. Spitzenreiter war 1959 mit knapp 70 Prozent des Jahresniederschlags. Da es die Sonnenscheindauer-Aufzeichnung erst seit 1951 gibt, teilen sich 1959, 2003 und 2018 die ersten drei Plätze (1: 2003; 2: 2003; 3: 1959).

Besonders interessant wird es bei den Temperaturen. 2018 schlägt so dermaßen hoch aus der Reihe… Gepaart mit der Trockenheit, dem Sonnenschein und den hohen Temperaturen, vor allem im Sommerhalbjahr, entstand die große Dürre. Wir müssen jedoch auch daran denken, dass die Art und Weise wie wir die Oberfläche der Natur „verändert“ haben ebenfalls einen großen Beitrag leistete. Eine intakte Natur steckt so etwas leichter weg als kanalisierte „Mono-Kulturen“.

Fassen wir also zusammen: 2018 war ein außergewöhnliches (Dürre)Jahr, das mit der Kombi Trockenheit, Wärme und Sonne für eben diese satte Dürre gesorgt hat. 2019 war kein Dürrejahr. Der Sommer war phasenweise sehr heiß und trocken, ja. Die Folgen, die sich daraus ergeben haben sind aber dem Vorjahr zuzuordnen. Ein Wetterjahr wie 2019 hätte mit einer normalen oder nassen „Vorgeschichte“ keine Dürre gebracht. Das müssen wir einfach verifizieren.

Was ist denn mit 2020? 2020 hat mit Dürre noch gar nichts am Hut. Es hat in vielen Regionen genug geregnet. Und aus dem April und seiner Wetterlagen nun eine weitere Dürre abzuleiten… Sorry, aber das ist… ich denke mir jetzt meinen Teil. Schauen wir uns doch mal den April an sich an. Der April hatte im alten Klimamittel der Jahre 1961-90 ein Mittel von 7,4 Grad. In den vergangenen 30 Jahren kletterte das Mittel auf 8,9 Grad. Damit hat der April in den vergangenen 30 Jahren mit 1,5 Grad den größten Sprung aller Monate hingelegt.

Schauen wir uns mal das Niederschlagsmittel an. Dieses sank im 30-jährigen Zeitraum von 58 auf 45 Liter, gleichzeitig stieg die Sonnenscheindauer von 154 auf 180 Stunden. Das ist eine enorme Entwicklung, die vor allem seit den 2000er Jahren noch einmal einen Schub bekommen hat. Viele der Aprils von 2000 bis heute waren zu sonnig, zu warm und zu trocken. Spitzenreiter in Sachen Trockenheit war das Jahr 2007 mit gerade mal 6 Prozent des Solls.

Unlängst las ich einen Kommentar, der mich darauf hinwies, dass der Sommer seine Weichen im April stellen würde und dass 2018 und 2019 ganz klar den Trend für den heißen Sommer vorgegeben hätten und dass das in 2020 genauso laufen würde. Aha. Wenn doch nur alles am April länge und wenn das doch so einfach wäre… ;).

 

Jetzt analysieren wir doch mal wieder in guter alter Manier und beginnen bei „Adam und Eva“. In welcher Klimaphase befinden wir uns? In einer wärmeren Phase, im Modernen Wärmeoptimum. Hier gelten ein paar andere Regeln als beispielsweise in kalten Phasen wie der Kleinen Eiszeit. Warme und kalte Phasen haben auch unterschiedliche Eigenschaften und Variationen. Eine Vertiefung würde hier den Rahmen sprengen. Es gibt innerhalb dieser Phasen auch wieder kältere und wärmere Phasen, eine so genannte Temperatur-Schwingung. Diese beträgt im Schnitt 7,5 Jahre. Sie hat einen kalten und einen warmen Abschnitt. In den jeweiligen Abschnitten haben zu den jeweiligen Klimaepochen diese Abschnitte gewisse Muster, also Charaktere der Witterung. Diese werden wiederum von den Großwetterlagen hervorgerufen.

Bei den 7,5 Jahren handelt es sich um den „Schnitt“. Die Zeiträume können nur wenige Jahre oder fast 15 Jahre betragen. Da wir uns aktuell in einer sehr warmen Phase befinden, sind die Zeiträume der Wärme deutlich ausgeprägter und die der Kälte schwächer, aber sie gibt es. Einen besonders langen Zeitraum von „warmen Jahren“ haben wir nun hinter uns – oder haben wir ihn hinter uns?


Im Juni 2013 kamen wir aus der kalten Phase, die im Spätsommer 2008 begann, heraus und hatten 5 überwiegend kältere Jahre mit kalten Wintern und gemäßigteren Sommern. Höhepunkt war zweifelsohne das kalte Jahr 2010 mit dem legendären Dezember. Außerdem sind diese Abschnitte oft niederschlagsanfälliger und nicht ganz so sonnig. Vom Sommer 2013 ausgehend bis zum letzten Winter (2020), also 6,5 Jahre, dominierte die warme Witterung mit 7 teils extrem milden Wintern und einer Serie von großen Sommern.

Dass der März vor allem in der zweiten Hälfte so massiv absackte, kann als Zeichen einer Abkehr dieser warmen Phase sein und es ist auch sehr wahrscheinlich. Darüber habe ich übrigens auch mit Ivo Brück (Langrist-Wetter-Kanal) gesprochen. Sollte nun wider Erwarten ein weiterer heißer Sommer und ein weiterer milder Winter folgen, müssen wir das alles neu bewerten.
Also, zurück zum Kaltluftvorstoß in der zweiten Märzhälfte und zur Statistik. Wir ergänzen das Ganze mit dem Sonnenflecken-Minimum und schielen wieder auf den April:

Ein sonniger, warmer und trockener April (der in dieser Kombi noch übrigens nicht sicher ist) bringt in der Regel keinen sonnigen und heißen Sommer. Ausnahmen sind jüngst 2003 und natürlich 2018. Wir dürfen den April aber nicht alleine bewerten, sondern müssen uns auch das Umfeld anschauen. In 2003 und 2018 gab es jeweils einen trocken-kalten und teils sonnigen Februar nach einem windig-milden Januar mit viel Regen/Schnee. Ist das Ganze umgekehrt und der Januar ist eher hochdruckgeprägt und der Februar eher nass, nimmt die Wahrscheinlichkeit für einen trockenen und heißen Sommer massiv ab. Wenn wir uns die letzten „kühlen Sommer“ anschauen (2014, 2012, 2011, 2009 und 2007), dann hatten die alle einen recht guten April.

Von 2012 abgesehen waren diese April-Monate alle unter den absoluten Top 10. Richtig bescheiden war der April 2008. Dafür war hier der Mai super und der Sommer mäßig. Bescheiden war auch der April 2006 – vor dem „Sommermärchen“. Und relativ gut waren auch die Aprile 2005 und 2004 mit jeweils recht mäßigen Sommern – verglichen mit heute. Und die beiden letzten kalten Sommer (1996 und 1993) hatten teils sehr gute Aprils.

 

Allein aus dieser Tatsache heraus müssen wir sagen: Die statische Wahrscheinlichkeit, dass der April 2020 als Vorbote einer Dürre 3.0 ist, ist äußerst gering.

Wir dürfen jetzt auf keinen Fall für die übrigen Monate oder Jahreszeiten den Maßstab 1961-90 ansetzen. Dieser wird im Januar 2021 vom neuen Klimamittel der WMO abgelöst mit dem Mittel 1991-2020. Hiervon ausgehend dürften ab jetzt einige Monate unter diesem Mittel liegen und den Sommer 2020 eher durchschnittlich ausfallen lassen.

Über den Sommer 2020 haben Ivo und ich auch spekuliert und die aktuelle Sommerprognose mit NOAA und Gedöns findet ihr hier. Alle weiteren Spekulationen über Monate, Jahreszeiten und Jahre sind hier auf der Seite unter Langfrist und Spekulation.

Wir fassen als Fazit zusammen: „Kommt im Sommer wieder eine Dürre 3.0?“ ist sehr unwahrscheinlich und das Gegenteil ist wahrscheinlicher. Außerdem ist das mit dem April noch überhaupt nicht in trockenen Tüchern. Ein nasser Monat mit Hochwasser ist natürlich sehr unwahrscheinlich, aber ein extrem warmer Monat mit sommerlichem Flair ohne Regen wird von den Modellen gar nicht (mehr) so gesehen.

Ich wünsche euch schöne und frohe Ostern – wir lesen und sehen uns!